Der Agrarstrukturelle Entwicklungsplan Wien als Leitmodell für andere Städte

Die Globalisierung der Landwirtschaft erhöht ihre Krisenanfälligkeit, auch weil landwirtschaftliche Produkte zunehmend mit anderen Sektoren, wie dem Energiesektor, verknüpft sind. Gleichzeitig steigt mit dem Wunsch nach biologisch hergestellten landwirtschaftlichen Gütern der Wunsch der Verbraucher nach regionalen Produkten. Wien ist eine Großstadt die einen Anteil ihrer landwirtschaftlichen Produkte innerhalb der Stadt erzeugt. Grundlage dafür ist der Agrarstrukturelle Entwicklungsplan AgSTEP, der die landwirtschaftlichen Flächen sichert und in Hinsicht auf ihre gesamtstädtische Bedeutung mit der Flächenentwicklung koordiniert. Ein weiterer Schwerpunkt des AgSTEP sind die Untersuchungen und Steuerungen der ökologischen Folgen der städtischen Landwirtschaft.

Der Agrarstrukturelle Entwicklungsplan wurde von UN-HABITAT 2004 als Best Practice ausgezeichnet.

Agrarstruktureller Entwicklungsplan - Best Practice UN-HABITAT 2004

Leitidee
In Wien sind 17 Prozent der Stadtfläche landwirtschaftliches Gebiet, der Hauptteil davon Gärten, Weinbau und Getreidefelder; 898 Höfe, meist Familienbetriebe. Dieses Gebiet ist Teil des Wiener Grüngürtels, war aber bislang noch nicht durch eigenständige Entwicklungspläne abgesichert.

Eine „urbane" Landwirtschaft hat auch spezifische Probleme. Landwirtschaftliche Flächen werden im Zuge der Stadtentwicklung einer Bebauung zugeführt, Zielsetzungen des Naturschutzes und der Erholung erfordern Rücksichtnahme bei der Bewirtschaftung, die EU-Erweiterungen und WTO Verhandlungen erzeugen starken ökonomischen Druck.

Methoden
Bereits eine im Jahr 2000 vom Wissenschaftsministerium und der Stadt Wien, Abteilung Umweltschutz, beim Ludwig Boltzmann-Institut in Auftrag gegebene Studie „Optionen für die Entwicklung von Landwirtschaft und Gartenbau in Wien" beinhaltet einen Vorschlag für einen agrarstrukturellen Entwicklungsplan. Er sollte als Instrument zur Lokalisierung landwirtschaftlicher Nutzflächen in Wien und deren Schutz für 10 Jahre innerhalb eines Rahmenplans dienen, den die Wiener Landwirtschaftskammer und die zuständigen Abteilungen der Stadt Wien ausgearbeitet hatten.

Die wichtigsten Ziele der Studie waren:

  • Erhaltung der Bewirtschaftung der landwirtschaftlich genutzten Flächen (krisensichere Nahversorgung)
  • Ökologisierung der Bewirtschaftung
  • Sicherung der Vielfalt der für Wien typischen Kulturlandschaften
  • Fortbestand der bäuerlichen Strukturen und Kulturen (alte Ortskerne)
  • Schaffung eines Wertebewusstseins in der Stadtbevölkerung

Als wichtiges Instrument für die Erreichung dieser Leitziele wurde die Erstellung eines Agrarstrukturellen Entwicklungsplans(AgSTEP) für Wien unter Federführung der Magistratsabteilung 58 (Wasserrecht) in Zusammenarbeit mit den thematisch mit der Landwirtschaft befassten Magistratsabteilungen und der Wiener Landwirtschaftskammer als Standesvertretung durchgeführt.

Der Agrarstrukturelle Entwicklungsplan beschreibt mehrjährig landwirtschaftlich nutzbare Flächen, gleicht diese mit dem Programm zum Schutz des Wiener Grüngürtels ab und gibt damit den Landwirten eine Orientierung für langfristige Investitionen. Auch geht er auf die Sonderstellung der Wiener Landwirtschaft ein, z.B. eröffnen die räumliche Nähe zum Konsumenten und die Größe des Abnehmerkreises in der Stadt eigene Absatzmöglichkeiten (Großabnehmer wie Schulen und Spitäler) oder Hofgestaltungsformen (z.B. in Kombination mit Schaubauernhöfen, Selbsternteflächen, usw.). Die erzielten Ergebnisse wurden in den STEP, den Stadtentwicklungsplan, eingearbeitet.

Viele Betriebe sind am Österreichischen Umweltprogramm (OEPUL) bzw. dem EU-Programm EU VO2092/91 beteiligt, die Richtlinien für die Qualität der Produkte und Anbaumethoden (z.B. optimierten Düngereinsatz, Fruchtwechsel, Ressourcenschonung usw.) vorgeben. Auch die Weinbauern nehmen am Programm der „integrierten Weinherstellung" teil. Die Zahl der auf biologische Landwirtschaft umsattelnden Betriebe steigt kontinuierlich an.

Die Funktion des AgSTEP ist v.a. die einer Entscheidungsgrundlage. Sowohl Stadt als auch Bauern können nur effizient agieren, wenn sie sich auf die Konstanz gewisser Strukturen verlassen können. Der AgSTEP soll landwirtschaftliche Nutzflächen vor anderen Widmungsformen ausweisen. Ebenfalls eingearbeitet sind die Beibehaltung vorhandener Siedlungsmuster und die Nachhaltigkeit der Nutzung.

Der Agrarstrukturelle Entwicklungsplan ist gemeinsam mit dem 1995 beschlossenen Grüngürtelkonzept ein wichtiges Instrument für die Sicherung von Flächen gegen den Bebauungsdruck in den Außenbezirken von Wien. Die Erhaltung der Stadtgrenze und damit das Vermeiden des „Auslaufens" der Stadt ins Umland sind Kriterien der hohen Lebensqualität Wiens. Ihre Grundlage sind planerische Entscheidungen. In dieser Hinsicht könnte der AgSTEP gemeinsam mit dem Grüngürtelkonzept zu einem Leitmodell für städtische Entwicklung werden.

 

 

Kontakt

Best Practices Hub Wien
Ariane Müller
office@bestpractices.at
www.bestpractices.at


TINA VIENNA
Mag.(FH) Birgit Ginzler
Tel. +43 1 4000 84270
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