Fachaustausch zwischen Belgrad und Wien
Datum: 06.09.2010
Ort: Belgrad
TINA VIENNA Veranstaltung
Von 6. bis 8. September 2010 fanden in Belgrad Schwerpunktaktivitäten der Stadt Wien statt, bei denen Vizebürgermeisterin Mag.a Renate Brauner VertreterInnen der Belgrader Stadtverwaltung und VertreterInnen der nationalen Regierung zu politischen Gesprächen traf. Ergänzend wurde eine Reihe wirtschaftsrelevanter Veranstaltungen, eine Präsentation des Bildungs- und Ausbildungsstandortes Wien sowie eine festliche Wien-Gala im Belgrader Rathaus mit ca. 500 prominenten Gästen organisiert, bei der u.a. die Wiener Sängerknaben auftraten.
Von der Wiener Stadtbaudirektion, Compress PR und TINA VIENNA wurde in dem Zusammenhang ein 3-tägiger Fachworkshop zum hochrangigen Austausch, v. a. auf Verwaltungsebene, zu folgenden Themen organisiert:
- Stadtplanungsinstrumente und deren rechtliche Wirkung in der Praxis der Stadtentwicklung
- Daseinsvorsorge: Abwasserentsorgung und Abfallwirtschaft als Gesamtsystem
- Internationale Finanzierungsinstrumente für Belgrader Großprojekte
Eröffnet wurde der Austausch durch Željko Ožegović (Belgrader Stadtrat), Boris Ranković (Belgrader Stadtbaudirektor), Anica Matzka-Dojder (Wiener Gemeinderätin) und DIin Brigitte Jilka, MBA (Wiener Stadtbaudirektorin), die in ihren Eingangsstatements die Wichtigkeit dieser Gespräche auf politischer und auch auf Verwaltungsebene betonten.
Themenblock 1 „Stadtplanungsinstrumente und deren rechtliche Wirkung in der Praxis der Stadtentwicklung":
Nachdem in Belgrad derzeit ein Stadtentwicklungsplan arbeitet wird, war das Interesse an der Form der Entwicklung des Wiener Stadtentwicklungsplans sehr groß und Themen wie Konzeption, Inhalte, Organisation, Umsetzung und Fortschrittsmessung, Grundlagen und Herausforderungen wurden behandelt. Ausführlich diskutiert wurde, wie Wien die inhaltliche Verknüpfung zwischen STEP 2005, Centrope und UNESCO Kulturerbe erreichte.
Weiters wurden die österreichischen Raumordnungsbehörden und die Entstehung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes in Wien bzw. dessen Rechtswirkung diskutiert.
Mit der Vorstellung eines Wiener Zielgebietes (Nordbahnhof) und eines dabei verwirklichten, in dieser Dimension in Europa einmaligen PPP-Modells (Campus Gertrude Fröhlich-Sandner) wurde den Belgrader ExpertInnen ein überaus interessantes Praxisbeispiel für eine Umsetzung präsentiert, die keine Belastung für das laufende Haushaltsbudget darstellt.
Mit der Vorstellung der Wien Holding konnte gezeigt werden, wie mit einer 100prozentigen Tochterfirma der Stadt die Rolle als (Projekt-)Entwickler, Errichter und Betreiber unter direktem Einfluss der Stadt zum Wohle einer geordneten nachhaltigen Stadtentwicklung im Bereich Immobilien, Kultur & Veranstaltungsmanagement, Logistik und Mobilität, Umwelt sowie Medien und Bildung wahrgenommen werden kann. Festgestellt wurde, dass die Wien Holding auch Vorbild für eine ähnliche Konstruktion einer Tochterfirma in Belgrad sein kann.
Ein erkennbares Zeichen der zukünftigen Zusammenarbeit zwischen Belgrad und Wien ist die Mitwirkung von Herrn Dr. Puchinger (Leiter der Gruppe Planung in der MD-BD) in einem Beirat zur Entwicklung eines Hochhauskonzeptes für Belgrad.
Themenblock 2 „Daseinsvorsorge: Abwasserentsorgung und Abfallwirtschaft als Gesamtsystem":
In Belgrad werden derzeit intensive Überlegungen darüber angestellt, wie der Bereich der Abfallwirtschaft und der Abwasserentsorgung den internationalen Umweltanforderungen entsprechend gestaltet werden könnte. Beispielsweise sollen 4 Kläranlagen und ca. 1.000 Kilometer öffentliche Kanalleitungen in den nächsten Jahren entstehen. Einigung wurde darüber erzielt, dass die 5 Stufen der Abfallwirtschaft (Vermeidung, getrennte Sammlung, Recycling, andere Verwertung, Entsorgung) oberste Priorität für alle zu setzenden Maßnahmen haben.
Das Wiener Kanalnetz soll ebenfalls Vorbild für die Ausgestaltung eines vollständigen Kanalnetzes in Belgrad sein, was neben der Errichtung einer (oder mehrerer) Kläranlage(n) die Garantie für einen minimierten Schmutzeintrag in die Sava bzw. in die Donau sein sollte. Insbesondere die in Wien eingeführte Kanalnetzsteuerung erschien von besonderem Interesse. Mit der Realisierung eines modernen Kanalnetzes und einer dem Standard der Technik voll entsprechenden Kläranlage könnte Belgrad ebenfalls das in Wien bereits realisierte Ergebnis erzielen. Hier wird auf Grund der hohen Reinigungsleistung der Schadstoffeintrag in den Vorfluter (Donaukanal bzw. Donau) praktisch auf ein nicht mehr messbares Maß reduziert.
Die Firma PORR stellte Konzepte aber auch Projekte, die sie am Sektor der Abfallwirtschaft in Serbien realisiert bzw. in Planung hat, vor. Insbesondere erschien dabei die Form der Zusammenarbeit mit Gemeinden, die eine funktionierende Abfallwirtschaft ohne große Investitionen der öffentlichen Hand und außerhalb der Maastricht-Kriterien budgetwirksam ermöglicht, als interessantes Modell für Belgrad.
Themenblock 3: „Internationale Finanzierungsinstrumente für Belgrader Großprojekte":
Im Rahmen der Veranstaltung wurden seitens der Stadt Belgrad die in der nahen Zukunft geplanten Großprojekte (U-Bahn, Kanalisation, Kläranlage, Deponieabsicherung, Erneuerung des Straßenbahnsystems) vorgestellt. Die Europäische Investitionsbank, die österreichische Kontrollbank AG, die Hypo-Group-Alpe-Adria, die Kommunalkredit Austria AG und die Erste Group Bank AG konnten ihre Finanzierungsangebote für derartige kommunale Großprojekte und die dafür entsprechenden Voraussetzungen und Prozesse darstellen, anhand bereits umgesetzter Projekte erläutern und über ihre Erfahrungen in der Umsetzung von Projekten in der Region berichten. Diese Veranstaltung sollte dazu beitragen, die für alle Beteiligten geltenden Rahmenbedingungen zum besseren Verständnis aller darzulegen. Das Interesse der Belgrader ExpertInnen an diesen Darstellungen war sehr groß.
Zum Abschluss wurde die International Federation of Consulting Engineers (FIDIC) vorgestellt, die zur Aufgabe hat, international anwendbare Vertragswerke im Rahmen des öffentlichen Beschaffungswesens für Ziviltechnikerleistungen zu erarbeiten. Dadurch soll Rechtssicherheit, sowohl für den öffentlichen Auftraggeber, als auch für den Auftragnehmer im großen globalen Markt geschaffen werden.
Anhand konkreter Problemstellungen wurden Möglichkeiten für Kooperationen zwischen den Metropolen aufgezeigt und vereinbart, entsprechende Abstimmungsgespräche zu den einzelnen Bereichen auch künftig weiterzuführen. So soll die Lebensqualität der BürgerInnen durch den Austausch von Know-how zwischen den beiden Metropolen gesteigert werden.
Links
- Programm Fachaustausch deutsch
- Programm Fachaustausch serbisch
- Informationen zur Ausstellung "Vienna Know-how: Urban Technologies & Strategies"
Foto © Nikola Fifić
v.l.n.r.: DI Mag. Žaklina Gligorijević (Stadtplanungsdirektorin Belgrad),
Željko Ožegovič (Stadtrat der Stadt Belgrad),
DI Brigitte Jilka, MBA (Stadtbaudirektorin der Stadt Wien),
OMR Ing. Hannes Gluttig (Stadtbaudirektion der Stadt Wien)