Launch-Konferenz zur Smart Cities & Communities Initiative in Brüssel
Datum: 21.06.2011
Ort: Brüssel
TINA VIENNA nimmt teil
Am 21. Juni 2011 fand in Brüssel die Launch-Konferenz zur Smart Cities & Communities Initiative der EU statt. Organisiert wurde sie von der Generaldirektion für Energie. Günther Oettinger, Europäischer Kommissar für Energie, Neelie Kroes, Europäische Kommissarin für Digital Age und Márie Geoghegan-Quinn, Europäische Kommissarin für Research, Innovation und Science nahmen an der Konferenz teil. Von Seiten der Stadt Wien waren DI Kurt Hofstetter, MA18 und DI Alexandra Vogl MSc, TINA VIENNA, für das Projekt „smart city Wien"bei der Konferenz vertreten.
In seinen Eröffnungsworten ging Günther Oettinger, Kommissar für Energie, auf die Rolle der Smart Cities und Communities für die Energiepolitik der EU ein. Er betonte, dass es hier um Partnerschaft mit der EU geht und der intelligente Umbau von Städten und Industrien Schwerpunkt für die nächsten Jahrzehnte sein muss. Kooperation innerhalb von Europa wie auch die Zusammenführung aller Kräfte vor Ort sei ein Muss, weil sonst Ziele wie 20% CO2-Reduktion bis 2020, 20% höhere Energieeffizienz und 20% erneuerbare Energie bis 2020 nicht erreichbar seien. Dafür diene die Smart Cities & Communities Initiative.
Im Bereich der Gebäude ist die Adaptierung des Bestands eine große Herausforderung, so Oettinger. 40% aller Fensterflächen in der EU sind noch immer einglasig und es werde nach wie vor zu wenig in die Energieeffizienz investiert, da diese Investitionen oft nach außen hin nicht sichtbar und damit weniger populär sind. Die öffentliche Hand ist für insgesamt 12% des europäischen Gebäudebestands verantwortlich. Künftig sollen per Gesetz jährlich mindestens 3% im öffentlichen Gebäudebereich saniert werden, denn Gebäudesanierung ist der erste Ansatz, um die gesteckten Ziele zu erreichen.
Weitere wichtige Bereiche, die auf Ebene der Europäischen Kommission in die Initiative eingebunden werden, sind Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und Verkehr.
Luft sauberer machen, Arbeitsplätze sichern, Energie sparen und effizient einsetzen, mit Rohstoffen verantwortlich umgehen, für eine wirtschaftlich erfolgreiche und ökonomisch nachhaltige Zukunft Europas.
Neelie Kroes, Europäische Kommissarin für Digital Age, wies in ihren Eröffnungsworten ebenfalls auf die Rolle von IKT für europäische Städte hin. Dadurch könne die smarte Entwicklung entscheidend vorangetrieben werden. Auch die Green Digital Charta, an der 23 Städte, u.a. auch Wien, beteiligt sind, spielt hier eine große Rolle.
In der Podiumsdiskussion „Smart Cities - myth or business case?" gingen VertreterInnen von IDM, EWE, ABB, T-Systems sowie der Bürgermeister von Grenoble auf die wirtschaftliche Situation von Smart Cities und Communities ein. Betont wurde dabei, dass die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Stakeholdern und den Behörden in der Stadt essentiell sei. Dabei ist konkrete Projektarbeit, die Bündelung von Zuständigkeiten und Energien und die Vermeidung von administrativen Kräfteverlusten der richtige Ansatz auf der Ebene der Stadt und des Ballungsraumes. Die Agenda und die Ziele der Stadt müssen für alle erklärbar sein. Denn im Mittelpunkt stehen immer die Kunden und damit die BürgerInnen. Wichtig ist es auch die Talente (inkl. der akademischen Welt) zusammen zu bringen. Dabei müssen die BürgermeisterInnen ihre Führungsrolle wahrnehmen und Leadership vorleben, um die Menschen zu begeistern und zu motivieren.
Weiters wurde darauf hingewiesen, dass Energie, die in den Städten nötig ist, nicht nur durch dezentrale erneuerbare Energien bereitgestellt werden kann. Es wird einen Mix von zentraler und dezentraler Versorgung brauchen und v.a. sei mehr Integration nötig.
Grundsätzlich solle nicht jede Stadt eigene Lösungen erfinden, um nicht zusätzlich Kosten entstehen zu lassen. Wichtig ist daher die Standardisierung/Normierung und die europäische Unterstützung von großen Pilotprojekten. Diese werden gebraucht, um neue Wege aufzuzeigen und Ideen zu testen bzw. um nachzuweisen, dass die Ideen auch in großen Systemen funktionieren.
Zum Thema „What's in for the citizen?" diskutierten die Bürgermeisterin von Genua, VertreterInnen von Balfour Beatty, POLIS, MEP Rumänien und Consumer Fokus UK die Rolle der Bevölkerung bei der Umsetzung der Smart Cities. Um die Bevölkerung an Bord zu holen ist die Frage der Usability wichtig. Neue Technologien müssen leicht handhabbar und verständlich sein und es braucht simple Kommunikationsinitiativen.
Es geht aber nicht nur um das Engagement der BürgerInnen, sondern auch um die Akzeptanz in einer Stadt als lebendes Labor der Zukunft zu leben.
Im Anschluss stellte Marie Donnelly, Director DG Energy, die EU-Aktivitäten für Smart Cities and Communities auf lokaler Ebene vor. Wichtig sei dabei, bestehende Technologien und innovative, integrative Lösungen zu bündeln und replizierbare Projekte anzustoßen. Dabei ist auch die Verwendung von Indikatoren empfehlenswert. Gebäude sind eines der wichtigsten Themen. Die Initiative hat grundsätzlich einen starken Technologie Fokus und die Priorität liegt beim Thema Energieeffizienz. Die jeweiligen städtischen Initiativen und Pläne mit ihren Maßnahmen bilden die Grundlage um die gemeinsamen europäischen Herausforderungen zu definieren. Hauptthemen sind Energie, Transport und IKT. Im Rahmen der kommenden Calls stehen für die europäische Smart City Initiative rund 80 Mio. Euro zur Verfügung und insgesamt werden ca. 10 Projekte gefördert werden. Die Calls werden am 20. Juli 2011 geöffnet.
Geleitet von Jean-Eric Paquet, Director DG MOVE, wurden abschließend Partnerschaften für Smart Cities und Communities aus Sicht der Stakeholder erläutert. VertreterInnen verschiedener europäischer Städte präsentierten dabei die konkreten Aktivitäten ihrer Regionen und Städte.
Marie Geoghegan-Quinn, Europäische Kommissarin für Research, Innovation und Science, richtete die Schlussworte an das interessierte Publikum und erläuterte die Zukunftsaussichten der Europäischen Innovationspolitik.
Die gelungene Konferenz ermöglichte einen Austausch, lieferte wertvolle Informationen und wies auf die Bedeutung der Initiative für die Europäische Kommission hin. Dies zeigte sich vor allem auch durch die Beiträge von drei EU-KommissarInnen bei der Veranstaltung.
Von Seiten des Projektteams zu "smart city Wien" waren Kurt Hofstetter (MA 18), die Wiener Stadtwerke, das Austrian Institute of Technology, das Energieinstitut der Wirtschaft und Alexandra Vogl (TINA VIENNA) vertreten. Die Veranstaltung wurde genutzt, um Kontakte zu knüpfen, in Austausch mit verschiedenen Städten zu treten und mögliche zukünftige Kooperationen zu besprechen.
Weitere Informationen sowie einen Videostream der Konferenz und sämtliche Präsentationen finden Sie unter diesem Link .
Der Final Report zur öffentlichen Konsultation ist hier online.