Podiumsdiskussion „Optionen für die Stadt – Das Ende der Planung?
Datum: 27.05.2010
Ort: Wien
TINA VIENNA Veranstaltung
Foto v.l.n.r.: Prof. Dr. Alain Thierstein (TU München), DI Alexandra Vogl, MSc. (TINA VIENNA), Dr. Kurt Puchinger (Stadtbaudirektion, Gruppe Planung)
Podiumsdiskussion am 27.05. im Rahmen der Ausstellung „Das Wissen Wiens: Urbane Technologien und Strategien"
Zukunftsfähig sein durch Denken in Handlungsoptionen: Wie entwickeln sich die gestalterischen und planerischen Prozesse für eine moderne, nachhaltige Stadt und welche Trends zeichnen sich ab? Was sind die wichtigsten strategischen Planungsinstrumente der Stadt, wie greifen sie ineinander und wie werden sie im täglichen Handeln aufgenommen? Diese und weitere Fragen wurden im Rahmen der Podiumsdiskussion, die am Donnerstag den 27. Mai im Rahmen der Ausstellung „Das Wissen Wiens: Urbane Technologien und Strategien" in der Wiener Planungswerkstatt stattfand, erörtert. Am Beginn der Veranstaltung stand ein Vortrag von Prof. Dr. Alain Thierstein (TU München), auf den eine Diskussionsrunde mit Dr. Kurt Puchinger (Stadtbaudirektion, Gruppe Planung) - moderiert von DI Alexandra Vogl, MSc (TINA VIENNA) - folgte.
Erfolgreiche Städte wie Wien, Zürich und München stehen vor der Herausforderung, auch in Zukunft den derzeit hohen Standard an Lebensqualität zu halten oder noch zu steigern. Studien wie jene von Mercer zeigen heute die Erfolge, welche die Planungen der Vergangenheit erzielt haben und die den Städten zu ihrer hohen Lebensqualität verhelfen. Die Auswirkungen der derzeitigen Planungen werden aber erst in einigen Jahren sichtbar werden.
Am Beispiel der neuen chinesischen Stadt, einer Stadt deren Funktion es ist, ein Produkt zu fertigen, erklärt Dr. Thierstein den aus seiner Sicht stattfindenden Rückschritt in der Planung zu Ansichten des deutschen Agrar- und Wirtschaftswissenschaftlers Johann Heinrich von Thünen. („Die Thünenschen Ringe beschreiben die landwirtschaftliche Bodennutzung einer idealtypischen Region. In diesem idealtypischen Modell sind die Transportkosten diejenige Einflussgröße, die im wesentlichen die Bodennutzung einer bestimmten Region begründet. Der Mecklenburger Gutsbesitzer Johann Heinrich von Thünen begründete mit seinem 1826 erschienenen Werk „Der isolierte Staat" die Regionalökonomie, seine „Ringe" sind eine frühe wirtschaftsgeographische Standorttheorie." Quelle: Wikipedia.)
Wenn Stadt geschaffen wird braucht es Management. Stadt wird durch Hoffnung und Kreativität, wirtschaftliche Chancen, Verkehrsinfrastruktur, Lebensstile, Pläne, Architektur, NutzerInnen, Produktion, Regulation, Regionen und Netze gemacht. Im europäischen Pentagon im Herzen Europas befinden sich die Großstädte London, Hamburg, München, Mailand und Paris. Dieses Pentagon umfasst 14% der Fläche der EU 27, 32% der Bevölkerung und 43% des GDP.
Eine Stadt erzeugt Wettbewerb und Wissen, das zeigen auch die beiden unterschiedlichen Ansätze:
- The World Is Flat: A Brief History of the Twenty-First Century (Thomas L. Friedman)
Zentrale Rolle dabei spielen die Informations- und Kommunikationstechnologien, die es jedem ermöglichen an der Welt teil zu haben (=Dezentralisierung). - The World Is Spiky (Richard Florida)
Dabei wird davon ausgegangen, dass Wissen durch menschliche Interaktion geschaffen wird. Dies geschieht vor allem in den großen Städten und Region der Welt.
Im Zuge der Diskussion erläutert Dr. Kurt Puchinger, dass ein wichtiger Bestandteil der Planung von heute das Denken in Managementkategorien ist. Stadt ist Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse (Eigentum vs. kein Eigentum). Eine sehr kleine Gruppe (jene der Grundeigentümer) wirkt sehr stark auf die Stadtplanung, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Eine wichtige Funktion der Stadtplanung ist, die Schnittstelle zwischen privaten Interessen, den Interessen der Öffentlichen Hand und der Zivilgesellschaft zu sein.
Die Fähigkeit des Denkens auf mehreren Maßstabsebenen ist notwendig, um ein Ziel zu erreichen, da alle Ebenen für den Erfolg wichtig sind. In Wien bildet die Schnittstelle zwischen Planung und Politik ein lernendes System. Im STEP 05 wurden 13 Zielgebiete festgelegt, die 23 Bezirken und deren Verwaltungen gegenüber stehen. Wichtig aus Sicht von Prof. Dr. Thierstein ist, in Zukunft die Mittelflüsse, die von den unterschiedlichen Magistratsabteilungen in diese Zielgebiete fließen, transparent zu machen und diese mit Wirkungen in Verbindung zu bringen. Denn nur wer Zusammenhänge versteht kann diese auch steuern.
Auf die Frage, wie detailliert der STEP 05 sei und wie schnell er auf aktuelle Anforderungen reagieren soll, meint Dr. Puchinger, dass er sich für den nächsten STEP ein „dünneres" Dokument vorstellt, das als Orientierungsinstrument für die gesamte Stadt funktioniert. Dieses sollte schlank und fokussiert sein und aus einem strategischen Teil und einem dazugehörigen Aktionsplan bestehen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist der Prozess, der durch die Erarbeitung angestoßen wird.
Resümee der Diskussion ist, dass Stadtplanung immer auch eine hohe Komplexität in sich birgt, da sie viele unterschiedliche Bereiche betrifft und beeinflusst. Durch Planung kann ein Handlungsrahmen vorgegeben werden, der unterschiedliche Optionen enthält und dabei auch ein gewisses Maß an Flexibilität braucht.